Web.de hat einen neuen Chef, einen Herrn Jan Oetjen. Und dieser ist bei Web.de angetreten um aus Web.de eine Web 2.0-Schaltzentrale für den User zu machen. Nun gut, denkt sich der Leser jetzt. Und jetzt? Genau, das habe ich auch gedacht.Ich bin ganz erschrocken, dass es Web.de noch gibt. Ich hätte es nicht gedacht, dass ein solch Anti-Innovations-Anbieter der irgendwann einmal an seinem eigenen Erfolg selbst erstickt ist, noch lebt und vor allem auch noch Ziele hat. Haben wir nicht alle Web.de schon abgeschrieben? In der Dot-Com-Phase war das alles einmal viel anders mit Web.de.
Früher war Web.de mal ein richtiger Innovationsmotor für das deutsche Internet. War doch früher die Web.de-Suche für sehr viele Nutzer das A&O, vor Google suchte der Großteil der Internet-Nutzer mit Web.de. Auch E-Mail war Freemail, kein anderer verstand es so gut wie Web.de für die damalige Zeit revolutionäre E-Mail-Dienste einzuführen und zu betreiben. Web.de brachte als erster kostenpflichtige Mehrwert-Dienste die Erfolg hatten. Web.de hat als erster die Internet-Telefonie angeboten. Und mit dem Smart-Surfer hatte Web.de ein Progrämmchen an der Hand, das es überall in Deutschland kostenlos verteilte, um seine Surfer immer mit dem günstigsten Verbindungs-Anbieter ins Netz zu schicken. Web.de war einmal schick und Web.de verstand es lange Zeit,
das zu liefern, was der Nutzer wollte. Web.de war “Das Tor ins deutsche Internet”. Lange Zeit agierte Web.de und gab die Richtung für alle vor. Doch aus agieren wurde reagieren, aus reagieren wurde falsch reagieren und heute steht Web.de vor dem Abgrund.
Nun kommt aber Herr Oetjen und möchte den Laden wieder aufmischen und auf den Web 2.0-Zug aufspringen um wieder dabei zu sein. Aber fährt der Zug des Web 2.0 nicht schon zu schnell zum aufspringen? Ist in diesem Zug überhaupt noch Platz für solch einen schwerfälligen, dicken und unbeweglichen Kolloss wie Web.de?
Herr Oetjen möchte aus Web.de die Schaltzentrale des Web 2.0 machen, er möchte, dass Web.de wieder zum “Tor ins deutsche Internet” wird. Aber genau hier sehe ich einige Probleme.
Web.de äussert damit Ziele, die andere auch schon haben, Web.de möchte Dinge anbieten, die andere auch schon anbieten. Und vor allem gibt es das deutsche Internet nicht mehr, denn das Internet ist das Web, und das Internet macht immer weniger an Landes- oder Sprachgrenzen halt. Nicht nur das Internet und seine Anbieter sind internationaler geworden, auch seine Nutzer orientieren sich nicht mehr nach Sprache und Herkunft. Früher hat man sich beschränkt auf deutsche Angebote, auf deutsche Websites. Nicht dass die Nutzer plötzlich alle fliesend Englisch können. Nein, der Nutzer hat seine Scheu verloren. Und als zweites kommt hinzu, dass auch anderssprachige Anbieter Ihre Dienste auf Deutsch anbieten. Nicht ganz unschuldig sind auch Übersetzungstool die immerbesser werden und jeden nur erdenklichen Inhalt in fremde Sprachen zu übersetzen. Also sollte Herr Oetjen das “deutsch” aus dem Slogan nehmen und vielleicht “Das Tor ins Internet” auf die Web.de-Fahnen schreiben.
Doch wie ist es mit dem Tor? Das Tor war früher so zu verstehen, “Schau, hier ist ein Türchen, dahinter ist das Internet und ich lasse dich herrein und zeige dir wo´s langgeht”. Doch es gibt keine Tore mehr. Computer sind dauer-online, Browser haben Bookmarks, Browser haben mehrere Startseiten und Browser können sich die zuletzt geöffneten Seiten merken. Der Nutzer braucht kein Tor ins Internet, weil das Internet immer näher kommt und es immer problemloser wird, sich durch dieses angebliche Tor sich zu bewegen. Web.de und seine großen Portal-Mitstreiter Freenet, GMX, 1%1 haben alle dieselbe Krankheit: Erheblicher Nutzerschwund. Mag das vielleicht daran liegen, dass der Nutzer nicht mehr an die Hand genommen werden will? Dass der Nutzer kein redaktionell aufbereitetes Angebot haben will? Dann müssten wir doch nun auch das Tor aus dem Web.de Slogan streichen. Machen wir.
Und gleichzeitig streichen wir das Wort Internet. Denn Internet ist Geschichte. Das Internet, das Web.de bisher auf seinen “Tor”-Seiten in kleinen Häppchen präsentierte und immer noch präsentiert, gibt es doch eigentlich schon garnicht mehr. Die Zeit der statischen Internetseiten ist vorbei. Die Zeit, als Macher Seiten machten und diese den Lesern vorsetzte ist vorbei. Das war das Web 1.0 oder auch Dot-Com. Wir sind im Web 2.0 und hier machen immer mehr die Nutzer die Inhalte, Cloud-Computing und Web 3.0 sind die Schlagwörter der Zeit. Und Web.de möchte sich um das Internet kümmern? Das Internet ist tot. Somit ist auch das Wort Internet aus dem Slogan verbannt und nichts ist mehr übrig geblieben. Wo solls also hingehen Herr Oetjen?
Es wird für Herrn Oetjen eine große Aufgabe, das schwerfällige Web.de-Monster in die richtige Richtung auszurichten und wieder auf Fahrt zu bringen. Und wenn ich nochmal den Vergleich mit dem Zug bringen darf, muss Herr Oetjen es schaffen, einen passenden Waggon für Web.de zu finden, den er dann selbst in Fahrt bringt, um ihn dann an den schon schnell fahrenden Web 2.0-Zug ankoppeln zu können. Ich wünsche Herrn Oetjen viel Glück dabei, vermute aber, dass er es nicht schaffen wird. Nicht weil ich an seinen Kompetenzen zweifle, sondern weil die Aufgabe nicht lösbar scheint.

























das social web sollte man nicht überschätzen. und auch nicht unterschätzen.
auf utopia, der plattform für strategischen konsum werden neuerdings kritische user aufgefordert eine kopie ihres personalausweises zu faxen
http://www.utopia.de/forum/showthread.php?t=4687
nach dem facebook skandal, erneut ein skandal in der schönen neuen internetwelt? trau schau wem? für mich: finger weg vom “social” web
Jan Oetjen und seine Pläne..
also man kennt ein Internet Reiseportal wo Oetjen nach dem er klanglos ausgeschieden ist nur verbrannte Erde hinterließ…. :-) und jetzt eine neue Firma und die gleiche Show….
zuerst eine Studie und dann noch etwas bla bla…
bis er wieder nach kurzer Zeit verschwindet um ….. wo anders aufzutauchen mit einer neuen Studie über …. hmmmm…. vielleicht Google & Ozon Schicht….. wäre doch lustig…
@Karl Hanser: Ich mach mein rechner schon garnicht mehr aus, sonst müsste ich mich ja bei unddu.de ausloggen… ;-)
Aber im Ernst: unddu.de ist die schlechteste Community die ich jemals antesten durfte/musste…
@Michael von Laar: Dass die TV-Werbung jetzt kommt, hab ich dann auch erst nach dieser Meldung verstanden. Ich bin gespannt, was da auf uns zukommt. Aber ich befürchte Web.de ist da zu spät dran…
Deswegen also diese dämliche Fernsehwerbung. Oh weia, der Ein-Portal-für-alle-Lebenslagen-Ansatz hat doch schon Ende der Neunziger kläglich versagt. Aber manche lernen es wohl nie.
Ist nicht web.de der Erfinder von web2.0.de? Betreiben die nicht die Erfolgscommunity unddu.de, in der wir täglich Stunden verbringen und unser Netzwerk pflegen?