Momentan geistern ja die tollsten Meinungen zum Tod des Weblogs durch die Blogosphäre und der nahezu einhellige Tenor ist, dass Twitter das Blog nahezu komplett ersetzen und ablösen kann.
Die ach so tollen und von sich selbst überzeugten Blogger sind also der Meinung, dass das was sie sagen wollen, mit maximal 140 Zeichen auch gesagt ist? Mehr habt ihr nicht zu sagen? Wenn das so wäre, warum habe ich dann noch von niemandem gehört dass er die Ladentüren seines Blogs zumacht und sich komplett Twitter verschreibt? Das alles scheint wieder einmal nichts anderes als Effekthascherei, warme Luft oder das Schreien der zahnlosen Löwen zu sein.
Es ist ja nicht das erste Mal, dass das Weblog totgesagt wird und der Blogger für altmodisch gehalten wurde. Heute müsse der Blogger nicht mehr bloggen sondern twittern, podcasten oder ähnliches. Aber wurde nicht schon das ein oder andere Mal das Buch, das Fernsehen, das Radio, die Print-Medien, der Verbrennungsmotor und vieles vieles andere totgesagt?
In letzter Zeit geht diese Diskussion mal wieder um und man konnte dazu auf UPLOAD auslösend 5 Thesen zum Thema “Twitter vs. Weblog” lesen:
Twitter und FriendFeed lösen Blogs ab
Wohl kaum, denn in einen Tweet bei Twitter und Co bekomme ich nur 140 Zeichen, gescheige denn ein Youtube-Filmchen, Bilder oder ähnliches. Wer einen schnellen Linktipp ohne große Erklärung hat, der bringt ihn über Twitter unter die Leute, das sehe ich auch so. Behauptet doch aber das Upload-Magazin weiter, durch Twitter hätte des Blog seine Daseinsberechtigung verloren, so wundert es mich doch, dass es noch so viele Blogs gibt.
Durch Microblogging wird das Blog eine höhere Qualität erreichen, denn der schnelle Link, das schnelle Filmchen oder eine Wulst an Bildern werden dann eher getwittert oder anders bekannt gegeben. Somit fallen die ganzen Kurzpostings weg und das Blog geht in den einzelnen Beiträgen automatisch mehr in die Tiefe, was für den Feed-Leser mehr und bessere Information bietet, der gemeine Suchmaschinen Leser findet schneller gute und tiefergehende Ergebnisse zu seiner Suche.
Die Gefahr besteht allerdings darin, das der Blogger sich mit Twitter noch weiter von den Nicht-Bloggern abkapselt und sich die Blogger-Sub-Kultur noch mehr positioniert. Sehr schade, will der Blogger doch akzeptiert und gehört werden.
Video schlägt Text
Nur bedingt. Die Frage ist doch hier wiederum, warum muss es immer so plakativ sein und warum muss immer das eine dem anderen ein Ersatz sein? Video ist eine wunderbare Ergänzung, kann sehr unterhaltsam sein, aber nicht jeden Inhalt und nicht jede Message bekomme ich in ein Video unter.
Zwar wissen wir aus vielen Markt- und Verhaltensstudien, dass das Video zu den bevorzugtesten Formaten im Internet gehört, allerdings ist das zum einen sehr stark auf eine gewisse Alterstruktur zurückzuführen und zusätzlich schalten 50% nach einer Minute die Videos wieder ab. Wie soll ich also diese ganze Infos in einer Minute unterbringen?
Blogs zerbrechen an ihrer Professionalisierung
So wie es zu allem auf dieser Welt Hobbyisten gibt, gibt es Professionelle, das war immer so und wird auch immer so bleiben. Und Weblogs werden diesen Umstand der Geselschaft nicht umkrempeln. Der eine bloggt über das einsame Leben mit seinem Hund und über seine Strickmuster, der andere professionalisiert sich und hat eindeutige Gewinnabsichten, ob direkt oder indirekt. Und warum sollte man das ändern? Es ist halt so, dann lasst es so.
Blogs bleiben ein Nischenthema
Ja, weil einzelne Blogs ebenso ein Nischenthema sind wie zum Beispiel Srickmuster ein Nischenthema ist, und das ist auch gut so. Die Gesamtheit der Blogs wären hier zu vergleichen, und dagegen wäre eine Tageszeitung ein Nischenmagazin.
Blogs sind nichts für die breite Masse
Der gemeine User, der über Google mit dem Keyword Strickmuster auf Oma Ernis Blog kommt weil er Strickmuster sucht, interessiert es nicht die Bohne, ob das was er sieht ein Strickmuster-Weblog oder eine andere Strickmuster-Seite ist. Für ihn ist es immer eine Strickmuster-Homepage. Nicht mehr und nicht weniger. Das ist doch auch egal.
Blogs werden ihren Platz in der Kommunikation und den Medien suchen und finden, weder wird dabei das Weblog sterben noch wird Twitter oder andere Microblogging-Dienste auch noch dazu beitragen. Denn auch das Buch, das Fernsehen, die gedruckte Zeitung, der Verbrennungsmotor und das Radio wurden schon totgesagt und alle leben sie noch. mapuMedia trifft es in seinem Fazit sehr gut:
“Blogs werden weder in der Versenkung verschwinden, noch wie Phönix aus der Asche in den Mainstream-Himmel aufsteigen. In ihrer Gesamtheit werden sie unbedeutend bleiben, aber das sollte niemand davon abhalten zu bloggen.”
Weitere Interessante Beiträge zu diesem Thema: Zukunft des Bloggens: Video oder Text?, Pierre Markuse im Podcast

























Blogs und Twitter werden weiterhin ihre Daseinsberechtigung haben, zumindest in der nächsten Zeit. Je nach Zielrichtung sind Blogs oder auch Twitter jeweils ein praktisches Werkzeug der Informationsübermittlung.
Weder ist die Meinung “einhellig”, dass die Blog sterben – gibt genügend Vertreter beider Meinungen, glaub ich – noch kann Twitter das Bloggen ersetzen… Statusmeldungen, News, Links usw braucht man nun wirklich nicht mehr zwingend bloggen, aber schau Dir nur Deine eigenen Texte hier an – das kann man unmöglich gleichwertig über Twitter transportieren.
Es werden sowohl Blogs, als auch Twitter bestehen. Videos werden, auch wenn sie derzeit noch stiefmütterlich betrachtet werden, noch mehr an Bedeutung gewinnen. Ein Bereich der jedenfalls wegbröselt ist der traditionelle Print- und TV Markt. Die müssen sich etwas einfallen lassen!