Die ganze Welt ist entzückt vom Microblogging und im speziellen von Twitter, als ob da jemand das Rad neu erfunden hätte. Ohne Unterlass werden die Vorzüge der schönen neuen Twitter-Welt gebetsmühlenartig von den Fans runtergeleiert, ob es nun die Schnelligkeit ist, die offene Struktur, das Live-Erlebnis… Alles ist Super-Toll. Man könnte meinen diese Junkies haben in ihrem leben nix anderes mehr zu tun und feiern deshalb ihren neuen Lebensinhalt in die Höhe. Zu unrecht.
“Wunderbar, ich habe noch nie so schnell erfahren, dass in Israel die Bomben fallen” oder “Klasse, ich war live dabei als in den USA ein Flugzeug abgestürzt ist, denn der Twitterer sass drinne.” oder auch “Ist doch eine feine Sache, Barack Obama zu folgen und genau zu wissen, was er denkt und tut.” Das sind die einhelligen Argumente der Twitter-Süchtigen, und ich gebe zu, Twitter hat einen enorm hohen Suchtfaktor. Auch ich verfalle diesem das ein oder andere Mal. Abergenau hier liegt die Gefahr.

Für manche Menschen ist Twitter der einzige Lebensinhalt geworden, sie twittern von überall und folgen jedem der einen Satz mit weniger als 2 Schreibfehler zusammenbekommt und den Reply.Button trifft. Ob nun solche Tweets aus dem Zug, aus der Kantine, aus dem Büro oder gar aus dem Ehebett oder der Toilette kommen, ist völlig Wurscht, denn alle sind sie süchtig nach diesem Mitteilungsbedürfnis anderer und auch des eigenen. Twittern tut genau diese Bevölkerungsgruppe die aus irgendeinen Gründen keine Zeit oder Lust haben in Ego-Strip-Sendungen wie Vera am Mittag, Britt, der Talk oder andere Formate dieser Gattung Fernsehunterhaltung.

Die erste Frage die sich nicht nur mir stellt, ist ob es wirklich so wichtig ist, zu wissen, dass es jemand gibt, der twitternd einen Flugzeugabsturz überlebt und dabei fröhlich twitternd darüber berichtet und auch Bilder dazu postet? Nein, ist es nicht, erstens ist dieser Flugzeugabsturz eh völlig unwichtig gewesen, solche merkwürdigen Unffälle wie in diesem Fall passieren in schöner Regelmässigkeit nahezu jeden Tag irgendwo auf der Welt. Und gleichzeitig läuft in China jemand gegen ein Stopp-Schild. So what???
Die eingefleischten Twitterer argumentieren jetzt, dass erst Twitter dieses Möglich macht, dass die ganze Welt direkt und live davon erfährt, dass es eben dort einen Beinahe-Absturz einen Flugzeuges gab. So, dann soll doch dieser Twitterer mir doch bitte auch die Ursachen des Unfalls und die Stimmen der Verantwortlichen twittern, die Meinungen der Hilfs- und Rettungsmannschaften, die gesellschaftlichen und politischen Auswirkungenm würden mich interessieren. Falls es welche gäbe. Das, liebe Twitter-Freunde, kann nur ein Journalist. Es ist wunderbar aber unnötig von jemandem zu erfahren, dass er dabei war, allerdings hält sich die Sensation in Grenzen, denn ich kenne diesen Menschen nicht. Wenn ich Twitter, dass ich auf der nase liege und mir den arm gebrochen habe, interessiert es auch keinen.

Dann kann ich mich erinnern, dass Twitterer über die Eskalation auf Athens Strassen berichteten, recht zeitnah und recht anschaulich, was man eben so in 140 Zeichen reinbekommt. OK, da geht irgendwo auf der Welt der Punk ab, weil einem Polizisten der Finger juckte. Das ist schlimm und darf niemals passieren. Ist es aber. Und jetzt feiert die Twitter-Gemeinde, dass Twitter und deren User live dabei waren. Juhu. Will ich das denn? Und weiter kann ich wieder die Bitte stellen: Lieber twitternder Grieche in Athen, mich interessiert dieses Thema, liefere mir bitte auch Hintergrundinformationen, Bewegtbilder, Stimmen und Meinungen der griechischen Politik und Gesellschaft. Das interessiert mich. Und nicht sensationshaschende Twittermeldungen wie “Ganz Athen brennt. ” Was ja auch noch völlig falsch war. Wert dieser Sache ist gleich null, denn 5 Stunden später habe ich punkt 05:30 Uhr die kompletten Informationen auf meinem Bildschirm mit allem was mich ineteressiert… Zweiter Minuspunkt an Twitter.

Gleiches gilt für das Thema Israel und deren Krieg. Wer kann euch garantieren, dass diese Informationen, die ihr da über Twitter erhaltet nicht Propaganda der Israelis ist? Niemand. Im Krieg gelten eigene Gesetze, somit ist der Wahrheitsgehalt dieser Tweets stark anzuzweifeln. Leser-Nutzen: Null.

Das alles sind Gründe die eigentlich gegen Twitter sprechen. Wenn man es anders herum betrachtet, würde nichts für Twitter sprechen, allerdings ist es eine nette Spielerei, kann aber nicht bisheriges ersetzen. Weder Medien, Journalisten, Blogs oder irgendwelche Profile auf irgendwelchen Ntworks wie z.B. Facebook. Twitter ergänzt, Twitter erzeugt Kurzweile, aber Twitter ist eines nicht: Unersetzlich. Allerdings kann Twitter ein guter Dienst zur Verfollständigung des Lebensstreams sein, wie zeigt das UPLOAD-Magazin.

So, und nun kommen wir zum eigentlichen Thema, warum Twitter eigentlich jetzt schon tot ist bzw. bald am eigenen Erfolg ersticken wird, falls sich nichts Grundlegendes ändern sollte. Aus meiner Sicht genau aus drei Gründen:

  1. Twitter wird nur mit Links voll gemüllt, ein großer Teil ist nicht mal der Strom wert, den er verbraucht.
    Zu manchen Zeiten, hat man auf Twitter nur Tweets die irgendwelche Links zu irgendwelchen Youtube-Videos, lustigen Bildchen, neuen Blogposts oder anderem. Der Mehrwert des Nutzens ist hier tendenziell gegen Null, da es mehr Zeit raubt, das wirklich wichtige oder auch für einen selbst interessante heraus zu filtern, das gibt man aber auch schnell auf. 
  2. Twitter ist immer öfter und immer wieder down, langsam, Tweets werden nicht zugestellt
    Erst gestern Abend als zwei heisse Themen aufeinander trafen, der Hype um Steve Jobs und seine Apfel-Fabrik und Robert Basic und sein Blogverkauf, war Twitter mal wieder heillos überlastet. Und genau dieser Umstand ist immer wieder der Fall. Das nervt und man verliert die Lust.
  3. Twitter wird gehackt
    Das, was wir aktuell erleben, ist erst der Anfang, und Experten wundern sich, dass es jetzt erst los geht.
    Es werden nicht nur die Accounts von Britney Spears oder Barack Obama gehackt, sondern einfach ausnahmslos alles, was sich hacken lässt.

Das eigentlich schöne an Twitter ist ja, dass man durch unzählige Applikationen von Drittanbietern seinen ganz eigenen und persönlichen Twitter bauen kann und somit Twitter zur Eierlegenden Wollmilchsau wird. Doch genau hier ist dann das Problem. Die Drittanbieter verlangen teilweise Nutzernamen und Passwortt und die Spammer und Account-Sammler unter denen müllen und spammen dann alles voll. Was zu tun ist, und auf was man achten sollte, listet der PR-Blogger auf.

Ein weiteres Thema bei Twitter ist die Nettiquette bzw. die Twitterquette, viele Leute fühlen sich zu schnell auf den Fuß getappst, weil man entweder zu klein schreibt, followt obwohl man nicht darf, was man nicht weiß, anderen entfollowt, diese sind dann beleidigt, weil man kein Interesse an deren Themen hat. Man setzt sich ununterbrochen ins Fettnäppfchen, obwohl man garnicht will. 
Ganz zu schweigen von Twitterern, die mal in Englisch mal in Deutsch oder in einer ganz anderen Sprache twittern, kann man sich da nicht festlegen? 

Diese vielen Punkte lassen Twitter nerven. Twitter ist unnötig und Jungs und Mädels denkt mal daran: Es sind erst wenige Monate vergangen, da konntet ihr noch ohne Twitter leben. Heute tut ihr alle so, als ob ihr es nicht könnt. Auf kurz oder lang wird Twitter die Server abschalten müssen, denn Spam, Unnützigkeit und Langeweile des Dienstes und das immer noch fehlende Geschäftsmodell  werden das Startup dazu bringen, dass die Millionen versiegen werden. 

Ich lade aber trotzdem jeden zu einer Diskussion hier auf dem Blog oder über Twitter ein. Ich freue mich sehr darauf.

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