Im aktuell schwelenden Streit zwischen der GEMA und Youtube liegt mehr Brisanz als man zuerst denken mag. Beide Seiten schalten vornehmlich auf stur, vertreten aber im Endeffekt nur, was von ihnen verlangt wird. Die GEMA muss die Interessen der Künstler vertreten, Youtube muss sich an deutsches Recht halten.
Auf einer anderen Seite sieht es ein wenig anders aus. Gleichzeitig muss nämlich die GEMA aber auch sich nach veralteten und vor allem unfairen Richtlinien orientieren und Youtube muss seine Nutzer zufriedenstellen. Als dritter kommt die Musikindustrie selbst ins Spiel, denn Sie hat natürlich auch weiterhin Interesse daran, dass sie Youtube als öffentlichen Kanal als Marketing-Instrument nutzen kann. Und um ihre Top-Seller zu promoten hat Universal Music ab sofort eine Partnerschaft mit dem deutschen Youtube-Konkurrenten Sevenload eingegangen.
Da nämlich auch nach und nach alle Musikvideos des Major Labels Universal auf Youtube ebenso von Youtube selbst vom Netz genommen werden, fehlt ein wichtiger Promotion-Kanal. Bis zum Sommer sollen 3000 Musikvideos auf Sevenload zu sehen sein, natürlich in bester Qualität und vom Universal selbst eingestellt.
“Ab sofort stehen allen Nutzern von Sevenload.com die neuesten Musikvideos von nationalen und internationalen Künstlern des Major-Plattenlabels Universal Music zum Abruf als Stream zur Verfügung. Beide Unternehmen geben heute den Startschuss zur offiziellen Marketingkooperation für das seit Ende März eingerichtete Branded Channel-Angebot. Der Musikkatalog von Universal Music wird bis zum Sommer 2009 kontinuierlich um aktuelle Chartbreaker auf insgesamt über 3.000 Musikvideos bei Sevenload ausgebaut”
Aber auch Sevenload muss an die GEMA Gebühren entrichten, auch Sevenload verlangt von der GEMA die Offenlegung, welche Künstler sie überhaupt vertritt. Aktuell zahlt Sevenload auch eine Gebührenpauschale wie Youtube es bis zum 31.03.2009 auch getan hat, aber die GEMA weigert sich ebenfalls gegenüber Sevenload bekannt zu geben, welche Künstler von der GEMA vertreten werden, welche also Mitglied der GEMA sind.
Kann es da vielleicht sein, dass die GEMA dies nicht tut, weil sie dadurch sich selbst ins Bein schiesen würde? Wenn bekannt wäre, dass die GEMA in den heutigen Zeiten nur noch eine Hand voll Künstler vertreten würde, wäre sie ja ein in der digitalen Welt unnötiges Instrument. Aber wer hat denn schon erlebt, dass eine Behörde oder ein behördenähnliches Gebilde Schritte unternimmt, die zu einer Selbstauflösung führen könnten? Ich bisher noch nie, deshalb wird auch die GEMA weiterhin alles tun um sich selbst am Leben zu erhalten.
Aber das größte Problem bei der ganzen Geschichte ist, dass es Youtube eigentlich nicht schaffen kann und wahrscheinlich auch nie schaffen will, alle Musikvideos für Deutschland zu sperren. Die Youtube-Nutzer werden immer und immer wieder selbst aufgenommene Musik-Videos zu Youtube hochladen und somit den anderen Nutzern zur Verfügung stellen, allerdings gehen dann die Künstler völlig leer aus, denn hier greift die GEMA nicht. Also ist der Künstler der Verlierer und die Musikindustrie wird sich auf die lange Sicht irgendwie von der GEMA trennen müssen und sich neue Modelle der Künstlervergütung ausdenken müssen. Allerdings wohl ohne die GEMA, denn diese macht keine Anstalten, sich der gewandelten digitalen Zeit zu stellen, sondern arbeitet weiterhin steinzeitlich vor sich hin.
Einen interessanten Ansatz wirft die Süddeutsche Zeitung in die Diskussion. Im Artikel Legal, illegal, nicht egal schreibt der Autor Bernd Graff dass die Video-Abspielstationen im Netz mittlerweile auch einen kulturellen Auftrag bekommen haben. Ohne dass sie das wollten, denn zwar werden meist die Rechte der Künstler verletzt aber landen doch bei Youtube & Co auch Videos, die sonst nur auf irgendeiner Videokasette in irgendeiner Schublade langsam aber sicher verotten würden. Somit bleiben diese der Nachwelt erhalten.
Interessantes Interview auf Meedia mit den zwei Sevenload-Gründer Ibrahim Evsan und Axel Schmiegelow das nur am Rande mit diesem Thema zu tun hat, aber mehr als lesenswert ist.

























Danke Apler, du hast natürlich Recht, dass der Schwund des Traffics bei Youtube allen anderen Musik-Streamern zugute kommt.
Sevenload sollte hier nur exemplarisch genannt sein, weil die Meldung über die Musikvideos von Universal bei Sevenbload durch “Zufall” genau zum richtigen/selben Zeitpunkt kam.
Ein sehr guter Artikel, vielen Dank für die guten Informationen. Allerdings mag ich dir in einem Punkt widersprechen: Gewinner ist nicht Sevenload sondern alle weiteren Plattformen, die weiterhin Musikvideos anbieten. Verlierer ist die GEMA so oder so.
Auch die werden gesperrt, sofern Farin von der GEMA vertreten wird.
Ich mal eine dumme Frage: Was ist mit den Videos die die Künstler selbst auf Youtube online Stellen, wie zum Beispiel Farin Urlaub?