Leere Versprechungen. Das ist es, was ich am ehesten mit dem Wort “Breitband” verbinde. Als ich im Jahr 2000 beim T-Punkt in meinem damaligen, schwäbischen Wohnort erste DSL-Angebote mit der Aufforderung “Jetzt registrieren” sah, stand ich ganz vorne in der Schlange.
“Kann allerdings noch ein paar Wochen dauern, bis das in ihrem Stadtteil verfügbar ist”, klärte mich der Verkäufer auf. “Kein Problem, ich warte”. Als sich nach einem halben Jahr immer noch nichts tat und ich ohnehin umziehen musste, bestellte ich den Anschluss wieder ab. Ohne DSL, aber um die Erfahrung reicher, dass zwischen Werbung und Wirklichkeit eine große Lücke klafft.
Längst kein Einzelfall, allenfalls ein Anfang. “ADSL mit bis zu 16000 Kbit/s” heißt im Endeffekt oft: 2000 Kbit/s, weil der Anbieter an vielen Wohnorten gar keine höheren Kapazitäten hat. Aus “Anschlussschaltung innerhalb von vier Wochen” wurden schnell drei Monate. “Schon bald über WiMax mit bis zu 2000 Kbit/s ins Internet gehen und telefonieren” ist allenfalls in einigen Gemeinden Wirklichkeit geworden. Und auf ein “flächendeckendes EDGE-Netz” warte ich bis heute.
Zu wenig Geld, zu wenig Zeit, zu viel Bürokratie
Und nun nehmen sich sogar Brüssel und Berlin dem Thema Breitband-Internet an. Jetzt wo die meisten Mobilfunknetze nach 15 (!) und das DSL-Netz der Telekom nach 10 (!) Jahren sich so langsam heranwagen, die letzten Lücken zu schließen, will man für flächendeckende Netze sorgen.
Um es auf einen ganz einfachen Nenner zu bringen:
1,1 Milliarden Euro reichen nicht aus, um jeden Haushalt in Deutschland mit DSL oder Kabelinternet zu versorgen. Nicht, wenn man gleichzeitig die Netzneutralität wahren und schon gar nicht, wenn man in fünf Jahren den Boden nicht wieder aufreißen und mit VDSL das nächste Konjunkturpaket fahren will. Die Brüsseler Maßnahme ist viel zu bürokratisch, als dass jede kleine Gemeinde sie meisten könnte.
Mit der Verteilung neuer Funkfrequenzen schafft es maximal ein Mobilfunkanbieter, innerhalb eines Jahres ein flächendeckendes Mobilfunknetz aufzubauen, das selbst Datendienste mit EDGE bewältigt. Diesmal ist die Politik diejenige, die in Zeiten von Krise und beginnendem Wahlkampf leere Versprechungen macht. Breitband für alle – ob über Mobilfunk oder Festnetz – wird es auch Ende 2010 nicht geben. Aber dann hat man Wahl und Wirtschaftskrise längst hinter sich, und an viele Versprechen von gestern wird man sich nicht mehr erinnern.
Jürgen Vielmeier schreibt normalerweise bei FreshZweiNull und ab heute jeden Sonntag auch auf Alles2null in seiner Sonntags-Kolumne Aufgefrischt.
Zeitgleich erscheint bei FreshZweiNull regelmässig Der SonntagsSörfer.

























@Der Ätzer: Ach ja?
@Mea Culpa: Ich hab T-Mobile vor kurzem noch mal getestet. Das Netz ist schon recht dicht, aber in der ländlicheren Region, in der ich da gerade unterwegs war, gab es immer noch Lücken. Ich sag ja nicht, dass ich auch mitten im Moor zwingend Datendienste über EDGE und UMTS nutzen muss, aber entlang der Bahntrassen fände ich das zumindest sehr schön.
Also ich habe bei T-Mobile (Web’n'Walk Plus mit Web’n'walk L) flächendeckend EDGE… Nutze zwar eher das in Großräumen gut verfügbare UMTS, aber manchmal ist man ja auch unterwegs…
Der Kommentar ist bar jeder Kenntnis der Problemlage. Glückwunsch.