Das Dauer-Lieblingsthema der Deutschen ist der liebe Datenschutz und es vergeht kein Tag, an dem mir nicht mindestens einmal dieses Thema begegnet. Man liest sehr viel, man hört sehr viel. Was ich beobachten kann ist dass diese Diskussion meist völlig unsachlich behandelt wird und ab und an Argumente hervorgekramt werden die bei näherer Betrachtung einfach nichts mit dem Thema zu tun haben.
Erst recht als Blog-Betreiber und/oder Webseiten-Inhaber ist dieses Thema omnipräsent, denn zum einen muss man sich an bestehende Gesetze halten und wenn man zum anderen auch noch wie ich das Thema Internet und Web 2.0 behandelt, dann begegnet einem das Thema erst recht.

Auch ich mache mir immer wieder Gedanken um diesen Datenschutz und lese immer wieder gerne Blog-Beiträge dazu, denn die Meinung des “kleinen” Bürgers ist meist eine andere als von den Medien oder der Politik propagiert. Aber was ist denn der Datenschutz im Zeitalter von Internet? Nehmen wir uns doch mal zwei Web-Dienste vor, die immer wieder in dieser Diskussion auftauchen: Google StreetView und GoogleAnalytics.

Google StreetView ist ein von Google bereitgestellter Dienst, der in einigen Ländern auf der Welt auf Landkarten getaggte Real-Fotografien von Gemeinden, Städten und Landstrichen anbietet.
Nun ist das Argument der Datenschützer, dass hier der Datenschutz verletzt würde, weil man eventuell als Individuum bzw. Bürger eines Staates auf diesen Bildern zu sehen ist. Die Privatsphäre solle auch verletzt sein, denn man könnte ja nicht nur auf den Bildern zu sehen sein, sondern es könnte ja auch noch etwas Peinliches sein. Nun gut.
Erstens: Google versichert und hat es mehrfach bewiesen, dass Gesichter die auf Bildern zu sehen sind automatisch retuschiert bzw. unkenntlich gemacht werden. Wenn dies nicht der Fall ist, wenn also die automatische Retusche (Software-basierend) nicht stattfand, kann man dies zu jeder Zeit bei Google einfordern. Dass auch dieses funktioniert, hat Google bewiesen. Ebenso wird übrigens mit Autonummern verfahren.
Wenn ich also so durch die Stadt gehe und mir in der Nase bohre und mich dabei versehentlich ein Tourist mit auf sein Nikolai-Kirchen Bild bekommt. Dann hab ich Pech gehabt. Nichts anderes macht Google. Dann kommt meist das Argument, dass Google diese Fotos kommerziell nutzt und mich nicht fragt. Stimmt. Aber weiß ich ob der Tourist, er kommt aus Italien, nicht dort genau dieses Foto mit meinem Finger in der Nase kommerziell nutzt? Er kann es verkaufen, er benutzt es bei Vorträgen usw usw. Und retuschiert er mein Gesicht? Nein. Google macht das aber.

Und jetzt die Frage an die Damen und Herren Datenschützer:
Wenn ihr eure Argumentation selber für voll nehmt, dann müssten wir doch das Fotografieren auf öffentlichen Plätzen und Straßen komplett verbieten, oder? 

Google Analytics ist ein kostenloses Tool für Webmaster den Besucherstrom zu zählen und zu beobachten. Mit diesem Tool ist es mir und allen anderen Webmaster und Blogger möglich, herauszufinden woher ein Besucher/Leser kommt, welche Seiten angeschaut werden, auf welcher Seite er wieder aussteigt usw usw. Auch ich nutze diesen Dienst für dieses Blog und will es nicht missen.
Auch hier, meinen die Datenschützer bzw. die unsachlich schreiende Abteilung der Datenschützer, es wäre der Datenschutz und die Privatsphäre verletzt. Aha.

Nun stellen wir uns mal folgendes vor:
Ich bin Inhaber eines Ladengeschäftes in der Innenstadt einer mittelgroßen deutschen Stadt. Ich verkaufe die Produkte XY, XYZ und ABC, jeweils in den Farben blau, rot und gelb. Ich habe 3 Angestellte und arbeite selber im Laden mit. Was mache ich den lieben langen Tag? Genau, ich verkaufe. Frau Maier z.B. kauft mit EC-Karte das Produkt XY in gelb nachdem sie sich ABC in blau auch angeschaut hat. Das alles weiß ich, weil ich meine Kunden beobachte. Und das tu ich, weil ich meinen Umsatz steigern will, weil ich meine Kunden zufriedener machen will, weil ich etc.pp. Ich kann zu jeder Zeit jede nur mögliche Erhebung von Daten meiner Kunden darstellen.
Wenn es nun nach diesen Datenschutz-Heinis geht, dürfte man das nicht, denn Google-Analytics macht nichts anderes, ausser dass Google Analytics noch weniger weiß. Weder Google noch der Blogger oder der Webmaster weiß ob Frau Maier oder Herr Müller auf der von Google Annalytics überwachten Seite war. Aber der Einzelhändler weiß es.
Und ganz Große in der Branche gehen noch viel weiter: IKEA hat eigens Angestellte dafür, dass diese den Kunden nachlaufen und penibel genau protokollieren wo der Kunde hingeht, was er in die Hand nimmt, was er ausprobiert, an welcher Kasse er zahlt, wenn er was gekauft hat, oder aber ob er das Haus verlässt ohne etwas gekauft zu haben. Und das machen diese IKEA-Mitarbeiter den lieben langen Tag.
Jeder Einzelhändler erhebt Daten von seinen Kunden. Angefangen anhand der ganz einfachen Erhebungsweise: Wieviel Kunden hatte ich heute? Wieviel Umsatz habe ich heute? Umsatz dividiert durch Kunden ergibt Umsatz pro Kunde. Wollt ihr dem Einzelhändler das verbieten???

Diese leidige Datenschutz- und Datenkraken-Diskussion bin ich Leid. Erst wenn alle Kritiker ihre Payback-Karte und EC- und Kredit-Karte zurückgeben, die Giro- und andere Konten gekündigt werden, der Strom- und Gasliefervertrag gekündigt wird, euer Telefon samt Fax, E-Mail und Handys abschaltet usw usw usw, erst dann sind eure Argumente glaubhaft.

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