Na ich könnte ja jetzt sagen, ich hätte es schon lange gewusst und habe mich auch ab und an und mehr oder minder verständlich dazu geäussert: Twitter ist wohl doch nicht DAS neue Ding des Webs. Zusätzlich verlangsamt sich das Wachstum von Twitter, das liegt hauptsächlich am unverständlichen Nutzen für den User, komplizierte Handhabung, minimalistische Darstellung und zu viele Möglichkeiten und externe Tools. Diese steigern zwar den Funktionsumfang von Twitter aber für den ersten Blick des Twitter-Neulings zu komplex erscheinen. Ausserdem setzt die Begrenzung auf 140 Zeichen den User eine Grenze, die er als unfreiwillige Einschränkung sieht.
Also kann der Otto-Normal-User doch nicht mit dem Zwitscher-Dienst umgehen und kehrt ihm somit, für andere und vor allem für die Heavy-Twitterer überraschend, aus oben genannten Gründen oft wieder den Rücken. Wobei die genannten Gründe einfach meine unabhängige Meinung ist und nicht durch Links untermauert werden können. Also nur eine Einschätzung, die ich übrigens schon lange habe.
“Auch im Vergleich mit MySpace und Facebook schneidet Twitter schlecht ab. In vergleichbaren Wachstumsphasen seien die Retention-Rates der beiden Netzwerke etwa doppelt so hoch gewesen, bei Facebook sei sie gestiegen.” schreibt der Netzökonom Holger Schmidt in seinem Artikel Dämpfer für Twitter: 60 Prozent der Nutzer kehren nicht zurück.
Die harten Fakten, die das Marktforschungsunternehmen Nielsen herausgefunden haben will:
- Nur 40 Prozent der neuen Twitter-Nutzer bleiben dem Microblogging-Dienst auch im zweiten Monat treu und twittern weiter
- Somit errechnet Nielsen eine Chance auf maximal 10% Gesamtreichweite bei allen Internetanwendern
Wenn man jetzt noch beachtet, dass erst ca. ein Drittel der Internetnutzer Twitter überhaupt kennen, könnte man ja noch einen ordentlichen Zuwachs erwarten. Dagegen spricht aber, dass die Heranwachsenden im Alter von 18-29 Jahren so rein garnichts von Twitter halten und lieber Chatten.
Ich glaube bei Twitter wenn überhaupt an einen durchschlagenden Erfolg bei absoluten Internet-Freaks, Nerds und Dauer-Onliner. Für die breite Masse wird es weiterhin ein Buch mit sieben Sigeln bleiben, Microblogging ist für Otto-Normal-User noch schwerer zu konsumieren wie Blogs. Ausserdem funktioniert Twitter nur, wenn man auch mitmacht und selber Tweets in das Twitterversum schickt, und in Sachen Mitmachen im Web ist Deutschland eindeutig ein Entwicklungsland.
Links zum Thema: Netzökonom, FreshZweiNull, BasicThinking

























Ein bisschen erschlafft ist der Hype schon. Es twittern zwar rund 100.000 Deutsche, aber bis zur ersten Millionen ist es noch ein weiter Weg.
Im Übrigen finde ich es gar nicht so schlecht, wenn 40% der Nutzer Twitter bleiben.
Ich gebe René da vollkommen recht. Twitter ist nur ein Tool, das momentan bei einigenn Leuten “in” ist.
Ist ja auch nett gemacht, klar kann es nicht viel und folglich kann es mit den “großen” Networks auch gar nicht mithalten. Aber vielleicht ist es auch genau das, was die User so attraktiv finden.
Ich bin auf jeden fall gespannt wie es damit weiter geht.
Meiner Meinung nach war Twitter noch nie auf dem Sprung das next big thing zu werden. Es ist nur ein Medium, eines neben so unzählig vielen. Das ist neben dem was du resp. Nielsen da sagt das größte Problem. Wenn es überhaupt ein next big thing gibt, dann ist es m.E. Lifestreaming bzw. Aggregation. Denn irgendwo muss das ja alles wieder zusammen kommen und einen Sinn ergeben.
Wenn Twitter wirklich mal auf Deutsch kommt, was ich nicht glaube, dann wirds zumindest nochmal im deutschsprachigen Raum einen Schub geben.
Wir werden sehen,ich bleibe skeptisch… ;-)
@Uwe: Es nutzen tatsächlich sehr viele meiner Kontakte Twitter, auch mobile. Wenn Twitter mal in deutscher Sprache verfügbar sein wird, wird auch die Attraktivität steigen. Dann werden aus meiner Sicht auch Personen den Service nutzen, die nichts mit der IT am Hut haben.
@ Sebastian: Vielen Dank. Auch dein Beitrag zum Thema heute war mehr als sehr gut.
@ Stefan: Das kann durchaus sein und ich gebe dir sogar Recht, dass dies die Studie nicht berücksichtigt. Aber auch 40-50% sind sehr viel. Was das Ergebnis auf jeden Fall tut ist, dass der angebliche Mega-Hype ein wenig relativiert wird…
@ Steini: Wirklich ein SMS-Ersatz? Sorry, aber es wird doch eher ein SMS-Alternative sein. Bei einem Ersatz müsste man ja davon ausgehen, dass alle Kontakte aus deinem Handy Twitter nutzen… ?
Klar ist Englisch vorherrschend im Netz, aber mit knappen (und von mir geschätzten) 150 Mio. Deutsch sprechenden, brauchen wir uns eigentlich nicht verstecken, oder?
Für mich ist Twitter schon ein SMS Ersatz. Wenn ichs persönlich schicken möchte, gibts ne DM, ansonsten kann jeder mitlesen. Das mit Deutschland und Entwicklungsland, da haste wohl recht. Liegt aber auch viel an der Aufklärung. Meines Erachtens ist die Sprache eine weitere große Hürde.
Nielsen betrachtet aber nicht die Nutzer die Twitterclients nutzen sondern nur diejenigen, die via twitter.com ihre Tweets absetzen (da sie ja nur die Zugriffe auf die Website auswerten können) – und das tun nur 30%. Insofern sind die 60% die angeblich nicht wieder “zurückkommen” auch nicht repräsentativ. Ich denke das 40% bis 50% realistischer sind.
Eine sehr gute zu meinem Beitrag, bzw. mein Beitrag bereichert Ihren.
Vielen Dank dafür. Sehr viel Wahrheit.