Neulich stand ich in der Küche und summte das Lied “Indigo Girl” vor mich hin. Das hat mich selbst ein wenig gewundert, denn ich hatte es seit Jahren nicht mehr gehört. Auf meiner iTunes-Playlist ist es längst nicht mehr und im Radio hatte ich es ganz sicher auch nicht gehört.
Nach der Mittagspause kam ich zurück an meinen Rechner, wo ich noch einen Artikel von Techcrunch geöffnet hatte. Und plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen: In der Seitenspalte von Techcrunch blinkte eine Anzeige von Watershed auf, die mir vorher überhaupt nicht aufgefallen war. Watershed ist eine Plattform von Ustream, mit der Anwender ihren eigenen Video-Livestream online stellen können. Aber davon ganz abgesehen, ist eine Band namens Watershed auch der Interpret von “Indigo Girl”, eben dem Lied, das mir kurz darauf in der Küche in den Sinn kam.
Online-Werbung wird ganz unbewusst wahrgenommen
Dass Watershed der Interpret von “Indigo Girl” ist, wusste ich. Ich hatte das Lied vor vielen Jahren recht häufig gerne gehört. Gänzlich unbewusst hatte ich also die Werbung wahrgenommen, das Wort “Watershed” im Geiste mit “Indigo Girl” verknüpft, mich an die Melodie erinnert und das Lied prompt vor mich hingesummt. Hätte ich kurz danach nicht die Anzeige gesehen, würde ich wahrscheinlich heute noch nicht wissen, wieso mir das Lied plötzlich wieder in den Sinn kam.
Dass das Gehirn Begriffe ähnlich verknüpft wie Hypertext, ist nichts Neues. Hypertext ist dieser Eigenschaft des Gehirns nachempfunden, wie man in vielen Fachbüchern nachlesen kann. Das eigentlich Erstaunliche an der Geschichte ist für mich die Wahrnehmung der Werbung. Ich hatte mich nur auf den Text konzentriert, die Werbung wahrscheinlich nur für einen Sekundenbruchteil gesehen. Und doch war sie mir aufgefallen und hat meinem Unterbewusstsein einen kleinen Streich gespielt.
Das ist fast ein wenig beängstigend. Wer weiß, was Werbebanner noch alles bei uns auslösen können ohne dass wir davon wissen? :) Auf jeden Fall zeigt es, dass Online-Werbung wirkt: Man nimmt sie wahr, und sie kann sich offenbar sogar ins Gehirn einbrennen – ob man es nun mitbekommt oder nicht.
Jürgen Vielmeier schreibt normalerweise bei FreshZweiNull und sonntags auch auf Alles2null in seiner Kolumne Aufgefrischt.
Zeitgleich erscheint bei FreshZweiNull regelmässig Der SonntagsSörfer.

























Ja, die Geschichte habe ich auch gehört. Ich glaub sie nur nicht. Was passiert wohl, wenn konkurrierende Werbe-Kampagnen sich im Unterbewußtsein bekämpfen? Ich denke, Werbung funktioniert anders als Hypnose…
@bulldrinker: Die Geschichte kenn ich auch, und meines Wissens war es Pepsi-Coke
@Andy Das gleiche gabs auch schon mal mit Cola, da hatten plötzlich alle Bock auf Cola!
Es gab da mal ein Experiment in einem amerikanischen Kino soweit ich weiß. Leuten wurde im Film 1 Bild/1Frame eingeblendet, also nicht wahrnehmbar sondern nur mit dem Unterbewusstsein. Auf dem Bild war Werbung einer bestimmten Eissorte zu sehen. In der Pause wurden dann zwei Eissorten angeboten. Und die meisten haben sich wirklich für die Sorte der einen Firma entschieden. Es gibt da schon interessante Dinge.
Hmm, gut dass mein opera der Online-Werbung einen Streich spielt, und sie durch hintergrundfarbige flächen ersetzt, bzw. ganz wegrationalisiert. Aber dass Werbung subtil arbeitet ist nicht wirklich neu, kein Marketing-Experte zielt darauf ab, dass jemand die werbung sieht und sich dabei entscheidet das produkt zu kaufen. Sie beeinflussen lediglich die Assoziationen in unserem Kopf, und diese werden in dem moment aktiv, wenn wir vor einer kaufentscheidung stehen.