Da meinte neulich ein Freund zu mir, dass er sich ein Auto gekauft habe. Gebraucht, aber ein echtes Liebhaberstück. Die erste Spitztour sei ins schöne Siebengebirge gegangen. Meine Antwort: “Weiß ich doch alles längst! Hat deine Freundin bei Twitter gepostet.” In dem Augenblick fiel er aus allen Wolken. Nach dem Motto: Was hat da die Presse schon wieder über mich geschrieben?
Und damit ist eigentlich das Besondere an Twitter schnell erklärt: Jeder erhält für kurze Zeit ein kleines Stück Rampenlicht, Aufmerksamkeit, wie man sie in der Form in der Tageszeitung nie bekommen würde. Klar könnte man seinen Freunden auch einfach von seinen Erlebnissen erzählen, aber mit Twitter geht es schneller und man erreicht mehr Empfänger.
Natürlich hat das Nachteile. Nachdem inzwischen viele meiner Freunde mir auf Twitter folgen, habe ich bei Treffen im wirklichen Leben kaum noch was zu erzählen, was sie nicht schon wüssten. Das ist anders als beim Bloggen, wo man sich auf die wichtigsten Erlebnisse beschränkt. Beim Twittern posaunt man deutlich mehr heraus, und damit auch deutlich mehr Kleinigkeiten.
Twitter im Vergleich zu Blogs und Tageszeitungen
Ein Vergleich zwischen drei Medien: Mit einer Tageszeitung erreicht man vielleicht 30.000 Leser, und es stehen nur die wichtigsten Themen aus Welt- und Lokalgeschehen darin. Die Häufigkeit, in der eine Tageszeitung über mich berichtet: sehr selten, man muss schon etwas Besonderes geleistet haben.
Mit einem privaten Blog und vielleicht 500 Lesern hat man höchste Aufmerksamkeit, aber selbst hier muss man sich auf das Notwendigste beschränken. Wenn man sich etwa gerade schlaftrunken auf dem Weg zum Bad den großen Zeh gestoßen hat, würde man das eher nicht bloggen, weil es zu viel Zeit kostet und ein Blogbeitrag sich dafür nicht lohnt.
Als Drittes: Twitter: Höchste Aufmerksamkeit, aber vielleicht nur 50 bis 100 Leser bei einem privaten Account. Deswegen nur sehr kleines Rampenlicht, das dann aber für jede noch so kleine Geschichte. Der Scheinwerfer leuchtet also auch für kleine Geschichten, er ist nur deutlich kleiner und lichtschwächer.
Twitter ergänzt Lokaljournalismus um die persönliche Komponente
Will man das verwissenschaftlichen, könnte man die These aufstellen, dass Printmedien nicht nur an ihrer äußeren Form kranken, sondern auch an ihren Inhalten: Die Themen sind zu allgemein, während das Menschliche, das man in Blogs und bei Twitter lesen kann, derzeit viel gefragter ist. Eine hohe Reichweite ist dabei nicht zu erzielen, aber auch nicht notwendig. Man liest von den Leuten, die einen interessieren und wählt sich dabei nur die gewünschten Adressaten heraus.
Twitter zu verteufeln, ist für Lokalzeitungen indes gar nicht notwendig. Denn statt Konkurrenz zu sein, entsteht durch diese Mikro-Aufmerksamkeit ein ganz neues Feld öffentlichen Interesses, das das bisherige Spektrum eher noch ergänzt: das Menschliche, Persönliche, Alltägliche, das für Leser auch interessant ist. Lokalredaktionen könnten Twitter für sich nutzen, zum Beispiel als Stimmungsbarometer oder als mögliche Quelle für Zitatgeber, die von einem Geschehen direkt betroffen sind. Wenn etwa der Lärm in der Innenstadt zu groß geworden ist.
Eine gute Idee, den einige Tageszeitungen bereits nutzen, ist, die besten Tweets das Tages zu veröffentlichen. Jetzt müssten nur noch mehr Menschen Twitter nutzen und ihre Mikro-Aufmerksamkeit für wirklich interessante, private Themen einsetzen.
Jürgen Vielmeier schreibt normalerweise bei FreshZweiNull und sonntags auch auf Alles2null in seiner Kolumne Aufgefrischt.
Zeitgleich erscheint bei FreshZweiNull regelmässig Der SonntagsSörfer.























Leider twittert in meinem Umfeld nur ganz wenige. Ich muss echt mal mehr Werbung im Freundeskreis machen. Ansonsten kann ich dir mit dem Artikel nur zustimmen.